Michel Houllebecq: Karte und Gebiet (3)

Schnitt, Cut, Bruch – Überraschung!
Teil 3 von Karte und Gebiet beginnt mit einem Knalleffekt.
Auf einmal befinden wir uns mitten in einem Krimi mit einem grausigen Mordfall und der von anderen Krimis (Simenon, Vargas, …) bekannten Pariser Mordkommission vom Quai des Orfèvres.
Na so was. Wirklich verblüffend. Nicht dass es in seinen anderen Büchern keine Action-Szenen gäbe, aber ein richtiger Krimi?
Ich will hier nichts verraten, aber letzten Endes wird es doch kein echter Krimi. Viele Komponenten sind da, das Wichtigste (?) fehlt aber. Mehr kann ich nicht sagen.
Im Grunde will das Buch lieber ein echter Houllebecq bleiben, als zum Krimi zu mutieren…

Sehr verblüffend fand ich dann die vielen kurzen Abschnitte im ewig langen Epilog. Warum kann es der Autor nicht damit bewenden lassen, denke ich von Seite zu Seite, immer noch etwas anhängen, noch eins draufsetzen, oder auch etwas zurechtrücken… muss das sein? Also ich hätte das weggelassen. Und das. Und dieses schon überhaupt. Wie eine Beethoven-Symphonie, die nach dem Finale immer nochmal weiterführt und ein noch bombastischeres Finale draufsetzt, und noch eins… Michel, lass es gut sein. Es war gut, aber jetzt reicht’s… Oder doch nicht? Darüber habe ich mehrere Nächte lang nachgegrübelt, und nun eben die wirklich letzten fünf Seiten gelesen, und jetzt denke ich: Doch, ein langer Abgang ist auch nicht schlecht, wie bei einem guten Whisky.
Epilog hin oder her, insgesamt ein absolut faszinierendes Buch, tiefgehend, eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe – so vielfältig, intelligent, unterhaltsam, spannend, und doch alle wirklichen Fragen offen lassend – bitte frage mich niemand, worum es in dem Buch wirklich geht. Ich weiß es noch immer nicht, ahne etwas, aber mehr ist nicht drin – nicht bei Houllebecq.

Michel Houllebecq: “Karte und Gebiet” – Roman, DuMont Köln, 2011 – original: “La carte et le territoire”, 2010

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