Marlene Streeruwitz: Kreuzungen.

Tolle, kunstvolle Sprache. Edelfeministische Erzählung. Anspruchsvolles Werk.
Und dabei doch zuerst einmal: hochspannende Lektüre!
Lesestoff vom Feinsten. Nie langweilig, gut verständlich, eingängig. Auch so kann Hochliteratur sein.

Okay, ich bin nicht objektiv, die Streeruwitz gehört schon lange zu meinen Lieblingsautorinnen.
Egal. Ein extrem lesenswertes Buch. Ich habe nur zwei Nachmittage und einen Abend gebraucht für die 250 Seiten.
Gestern ausgelesen. Reiner Zufall, dass ich am internationalen Frauentag über dieses Buch berichte…

Die Marlene hat sich da einen Mann ausgedacht, einen ungewöhnlichen, einen der schon ganz weit oben ist, und noch weiter hinauf will. Hinauf im Sinne von Reichtum, und auch im Sinne von Macht. In den ersten Kapiteln möchte man den Typen am liebsten windelweich klopfen, für seine unsägliche Menschenverachtung, seine Art des Herrschens, seinen Egoismus. Eine Übersteigerung des den Feministinnen ohnehin verhassten Prinzips Mann. Wirklich?
Mit Schubladendenken hat die Streeruwitz nichts am Hut. In der Tat entwickelt sie an diesem extremen Beispiel eines Mannes sogar allerhand liebenswerte Eigenschaften, ich denke da an den Einschub über Venidigs Katzen, und vor allem viel Nachdenkliches. Der Protagonist hat Gefühle, Selbstzweifel, denkt viel nach und kommt oft zu überraschenden Erkenntnissen. Im letzten Drittel des Romans hatte ich den Eindruck, die Autorin hätte sich sogar ein ganz klein bisschen verschaut in ihre Schöpfung… Seine Ehefrau kommt dagegen am Anfang sehr undeutlich daher, man erfährt von ihrem Hass und ihren Wutausbrüchen, aber wenig über ihre Denkweise, ihren Charakter, ihre Gründe. Später wird das Bild klarer, aber auch immer negativer.
Ein feministischer Roman? Sicherlich ein kritischer, böser Blick auf die Gesellschaft, aber andererseits auf einen sehr kleinen, elitären Teil derselben. Und doch voller Aussagen, über die es sich nachzudenken lohnt.
Nach den ersten Kapiteln habe ich gleich mal gedacht: Die Streeruwitz schreibt schon so böse wie die Jelinek, so finster, so zynisch… Aber das ist doch anders, hier gibt es auch immer Lichtblicke, immer Hoffnungsschimmer. Und dann, gegen Ende, kommt die Jelinek sogar vor in dem Buch, wenn auch nur ganz am Rand… Sozusagen aus dem Mund der bösen Ehefrau… was will uns Marlene damit sagen? Da bin ich noch am Grübeln.

Marlene Streeruwitz: Kreuzungen. Frankfurt, 2008. Als Fischer Taschenbuch 2010.

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