shopping mit action

shopping mit action
rm 10.01.2011

Heute ging ich am frühen Nachmittag in die Stadt.
(1)
Einkaufen, in den Saturn.
Ich fand nicht gleich, was ich suchte, stand aber plötzlich vor einem riesigen Ständer mit Batterien. Die Knopfzelle für unsere Personenwaage hing da verschämt mittendrin. Ich nahm mir eine, nicht eben billig, aber eine andere Quelle gibt es nicht in der Nähe.
Das besondere ist die Verpackung: eine winzige Blisterpackung, so klein wie nur möglich, sehr umweltfreundlich… aber so klein, dass ich beim weiteren Shoppen sehr aufpassen musste, das Ding in Briefmarkengröße nicht zu verlieren. Rolltreppe rauf, Sachen suchen, Rolltreppe runter, und noch was anderes anschauen. Dann zur Kasse. Schließlich alles bezahlt. Wie leicht hätte ich das winzige Kartonstückchen in der Tasche verschwinden lassen können oder einfach die ganze Zeit in der Hand behalten. Eigentlich müsste jeder, der das (zu) teure Ding bei der Kasse zeigt, eine Prämie für besondere Ehrlichkeit bekommen – oder der Laden eine Strafgebühr für Verführung zum Ladendiebstahl aufbebrummt bekommen.
Mit dem guten Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, verließ ich den Laden und fuhr mit der Rolltreppe einen Stock tiefer. Da gibt es eine riesige Sportartikelfiliale. Von der Rolltreppe hat man einen Überblick über den ganzen Laden, meist drei bis fünf Verkäufer und ein bis drei Kunden. So eine Verschwendung kann sich nur eine große Kette leisten. Heute gab es da Action.
(2)
Gleich bei den Rolltreppen ist die Reihe der Kassenterminals. Da stürzten zwei junge Männer hervor. Rannten sehr schnell durch eine Kasse. Beide mit einem Grinsen oder Lachen im Gesicht, so kam es mir vor, ich dachte, die machen sich eine Gaudi. Der erste spurtete auf die Nachbarrolltreppe zu, der zweite beschleunigte noch viel ärger, wie eine Raubkatze, die gerade ihr Opfer anspringt, hinterdrein. Na na, dachte ich. Die Rolltreppe hinunter, alle beide, dann ein lauter Schlag, ein dröhnendes Poltern, Schreie. Ich dachte, die übertreiben es aber, und beugte mich über das Geländer, um ihnen nachzusehen.
Diese Rolltreppe führte nicht wirklich hinunter, sondern umgekehrt, eigentlich hinauf, vom unteren in den oberen Stock, da wo ich gerade war und wo die Sportfiliale ist. Unten am Ende der Treppe aber waren drei Männer.
Einer lag am Boden, halb auf den nach oben fahrenden Stufen, einer hielt ihn brutal am Kinn fest, einer stand drübergebeugt und mit dem Fuß auf dem Liegenden.
Jetzt erst kapierte ich, dass die beiden einen vermutlich des Ladendiebstahls verdächtigen geschnappt hatten. Auf der dunklen Jacke des einen Mannes stand in weißen, großen Buchstaben: SICHERHEITSBEAUFTRAGTER. Ich kam mir vor, wie in einem amerikanischen Actionfilm. Ein Kamerateam konnte ich aber nirgends entdecken.
Zwei Schüler neben mir betrachteten die Szene aufgeregt und redeten über ein Messer. Ich sah aber keine Waffe.
Als ich kurz darauf die richtige Rolltreppe nach unten fuhr, kamen mir die drei auf der aufwärts fahrenden Treppe entgegen, dem Verdächtigen hatten sie die Arme auf den Rücken gedreht. Dieser protestierte laut und kurz. Die anderen fuhren ihm über den Mund, packten offenbar noch gröber zu, drohten ihm irgendetwas an, und er solle erst mal warten. Mehr verstand ich nicht. Sah sie im Sportladen verschwinden, als ich im unteren Stock ankam.
Während ich die restlichen Stockwerke hinunterfuhr, dachte ich nochmal über die Sache nach.
Einmal die überraschende Situation. Wer soll damit rechnen, dass in so einer Kaufhauspassage ausgerechnet in dem verschlafensten Laden gleich zwei Supermänner, extrem engagiert, akrobatisch und trainiert, professionell wie von der WEGA, auf potentielle Ladendiebe warten? Oder ob sie schon vorher einen Tipp bekommen hatten?
Dann die Frage, ob diese Privaten für ihren nicht gerade gewaltfreien Einsatz überhaupt lizensiert waren? Exekutivbeamte waren das nicht. Und stürzen sich mit vollem Tempo die entgegenkommende Rolltreppe hinunter auf ihre Beute. Wie im Film, wirklich wahr, und das alles in einem kleinen österreichischen Städtchen.
Am meisten aber irritierte mich der Überwältigte. Er sah so aus, wie man sich einen Underdog vorstellt. Ich weiß, man soll keine Vorurteile haben, schon gar nicht vom Aussehen. Aber es war trotzdem so. Ein bisschen dumm, ein bisschen verschlagen, ewig benachteiligt, sich an keine Regeln haltend. Solche Typen gibt es einfach, das fängt schon in der Schule an. All das war ihm ins Gesicht geschrieben. In meiner Wehrdienstzeit habe ich gelernt, dass man an solche Leute herankommen kann, aber das braucht Zeit, viel Geduld, und auch manches Mal einiges an Mut, sobald Gewalt im Spiel ist, und das kann schnell gehen. Nicht unbedingt meins, aber ich hab’s mal geschafft.
(3)
Und ich denke noch, jetzt müssten eigentlich die Cops mit gezogenen Waffen hereinstürmen, wenn es wirklich ein Film wäre.
Draußen aber steht tatsächlich ein Streifenwagen. Nicht neben dem Kaufhaus, wo der Gehsteig etwas breiter ist, sondern neben dem Nachbarhaus mit der kleinen Bäckerei. So dass zwischen Hauswand und Straßenbahnschienen der Weg zumindest für Zwillingsbuggies und Rollstühle versperrt ist. Mir steigt der Zorn auf, wie immer, wenn die Polizei sich doof aufführt, insbesondere in der Fußgängerzone.
Die beiden Beamten, sehr jung, Mann und Fau, diskutieren mit einem Amstettener, der seinen Wagen vor dem Kaufhaus abgestellt hat. Reichen ihm einen Strafzettel hin. Der Golffahrer wirkt zerknirscht. Die Polizisten sind bestimmt, aber auch höflich, fast freundlich. Ich stelle mich daneben, um sie wegen ihrer Fußgeherbehinderung anzumotzen, wie ich das immer mache, aber dann gehe ich weiter, wenn sie doch so nett sind ausnahmsweise.
Nachher denke ich: Und warum kümmern die sich nicht lieber um den Fall drei Stockwerke weiter oben? Wäre das nicht viel wichtiger als ein Falschparker? Ist etwa die Polizei von den privaten Sicherheitsleuten gar nicht informiert worden? Was läuft da wirklich hinter den Kulissen ab, da oben? Was machen die jetzt mit dem festgesetzten Typen? Hat der eine Chance auf faire Behandlung? Wer macht was, und wer darf was machen, in unserem Land?

Jedenfalls ein interessanter Einkaufstag.

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