Philip Glass: Kepler (Oper)

Gestern Abend waren wir auf der Premiere der Oper Kepler von Philip Glass.
Ich mag Opern nicht, aber ich liebe die Musik von Philip Glass, also dachte ich mir, probiere ich es mal aus. Mit der Oper.
Ich muss sagen, ich war überwältigt. Ob das Konzert nun wirklich in die Kategorie Oper passt oder nicht, weiß ich nicht. Aber es war von vorne bis hinten, visuell und akustisch, musikalisch und von der Inszenierung rund, packend und stark.
Schon die sich langsam aufrichtende Astronomie-Liege ganz am Anfang erinnerte mich zudem heftig an MYST, und die sich durchziehende Zahl 6 ebenso an Riven (dort war es die 5, mit einer Ausnahme, wo eine 6 wichtig war – hier war die Ausnahme die Zahl der Gryphius-Gedichtteile, nämlich 5 statt 6).
Von der mehrebigen Gliederung der Oper in Akte und Szenen bekam man so direkt nichts mit, die konnte man aber im Programmheft nachlesen. Nur die Überschriften der fünf Gedichtstücke von Gryphius wurden auf der Untertitel-Minileinwand angezeigt. Sonst wurde dort meist der gerade gesungene Text gezeigt, in deutsch, und heftig verkürzt darunter auch in englisch.
Das Bühnenbild fand ich genial, sehr tief und innovativ. Die große Drehscheibe drehte sich sehr langsam, was alleine schon das Thema der Planetenbahnen, der Astronomie etc. dezent und effektiv umgesetzt hat. Dazu die astrale Beleuchtung, die zurückhaltend eingesetzte HighTech, die nie zum Selbstzweck wurde, aber doch ein tragendes Element der Gesamtstimmung war. Lustig die Kostüme der sechs Planeten/Solisten, deren Rock als Projektionsschirm für Licht und Animationen dienten, die aus ihren sechs Podesten herausleuchteten. Die Menschen, zeitweise recht viele, nämlich der ganze Chor, waren dank der Drehbühne ständig in langsamer, fast unmerklicher Bewegung, ich habe das teilweise auch als Sichtbarmachen des fließenden Zeitstroms verstanden, wie auch der Fluss der Musik. Hinter der sehr großen Drehscheibe ging das Bühnenbild noch weit zurück, bis zu einer Projektionsleinwand. Auch diese „Visualisierungen“ waren sparsam und passend, niemals aufdringlich oder störend. Eher wurde der Bühnenraum durch sie quasi bis in weiteste Ferne verlängert.
Die Musik war vom allerersten Takt an unverkennbar Philip Glass, und so blieb das auch bis zum Schluss, obwohl schon ein paar sehr neue musikalische Ideen dabei waren. Zuerst war ich ein wenig irritiert, dass häufig in deutscher Sprache gesungen wurde – lag das an der Deutschsprachigkeit des dargestellten Kepler oder an der auftraggebenden Kulturhauptstadt Linz09?
Die Künstler waren sehr gut, so weit ich das beurteilen kann. Mir ist nur gleich in den ersten paar Minuten ein Blasmusiker aufgefallen, der eine Note einen Halbton danebengespielt hat – Pech bei der streng harmonisch durchkomponierten Musik von Glass, wo man solch einen Verspieler genau heraushört, auch wenn man die Musik noch gar nicht kennt. Schräge Töne gibt es da nicht, und trotzdem ist die Musik immer spannend, immer mitreißend, nie langweilig.

Beim langen Applaus kam dann auch der Meister selber, Philip Glass, auf die Bühne. Bravo!

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