mein neuer Roman

30. Januar 2015

Im Januar habe ich mal wieder einen Anfall von Schreibfieber gehabt, und auf meinem braven MacBook Air einen kleinen Roman geschrieben.
Drei Schüler machen ein Detektivbüro auf und bekommen bald einen Fall, und schon einen zweiten dazu… Aus dem Spiel wird blutiger Ernst.
Thriller u.a. für jüngere Leser mit Action, ersten Küssen, und einem Haustier.
Es ist der dritte Teil meiner seinerzeit geplanten TrilogieDer Junge und …„, der erste Teil war Der Junge und der Wald der Frauen, der zweite Teil wurde nie fertig, leider.
Die Rohfassung des Textes habe ich vom 3.1.2015 bis zum 29.1.2015 geschrieben.

Arkadi und Boris Strugatzki: Werkausgabe bei Heyne Band 4

12. April 2014

Noch so ein dicker Wälzer! Der vierte enthält gleich 5 Romane.
In den letzten Tagen habe ich verschlungen:
Fluchtversuch
Es ist schwer, ein Gott zu sein
Unruhe

(Noch vor mir habe ich Die dritte Zivilisation und Der Junge aus der Hölle.)

Fluchtversuch ist eine eher heiter beginnende Geschichte, aufgezogen als klassische SF, die sich aber bald sehr ernsthaft mit der damals (Anfang der Sechziger des letzten Jahrhunderts, erste Sputniks und allererste Anfänge der Raumfahrt) von einiger Wichtigkeit erscheinenden Frage beschäftigt: Darf man sich in die Entwicklung der Gesellschaft auf anderen Planeten einmischen oder nicht, und wie geht man damit um?
Heute lächeln wir darüber, denn niemand rechnet mehr ernsthaft damit, jemals auf besiedelte Planeten im Weltraum zu treffen…
Aber die Geschichte wird durch die heute nicht mehr relevant gesehene Fragestellung nicht überflüssig, denn sie reflektiert auch gleich über unsere irdische Entwicklung. Und auch da haben sich die Autoren damals wohl ziemlich getäuscht, denn die erwartete idealkommunistische Gesellschaft ist keineswegs längst Realität, sondern in weite Ferne gerückt und vielleicht für immer gescheitert. Das hätten sich die Autoren wohl nicht denken können, und auch nicht schreiben dürfen. Aber für uns ist es ein Anlass, darüber nachzudenken, warum diese Ideale nicht funktioniert haben…

Der zweite Roman Es ist schwer, ein Gott zu sein behandelt das gleiche Thema, auf ähnliche Weise, wenn auch sehr viel ausführlicher und weniger leicht, das ist eher schwerer Tobak, was uns da für ein Spiegel vor Augen gehalten wird: Denn die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen auf diesem Planeten trifft ja nicht nur unsere mittelalterliche Vergangenheit, wie im Text vielfach explizit verglichen wird – sondern (leider!) genauso hart auch unsere jetzige Gesellschaft, egal ob in Ost oder West.
Die Menschen sind halt nicht gut…

Der dritte Roman Unruhe hat mich ziemlich irritiert. Die erste Seite kam mir so bekannt vor… bis ich kapierte: Das ist doch Die Schnecke am Hang! Nur die Namen der Personen sind anders… Und wie in die Schnecke am Hang gibt es zwei parallele Erzählstränge. Der Teil, der im Wald spielt, ist fast identisch bei beiden Romanen. Der andere Teil, der in der Verwaltung spielt, ist hier in Unruhe viel kürzer, und teilweise vollkommen anders. Es gibt da nur sehr wenig Überschneidung, eher eine begnadete Ergänzung: Würde man die wenigen doppelt erzählten Stellen herausstreichen, könnte man einen Gesamtband draus machen… der einem meiner All-Time-Favorites, dem Roman Die Schnecke am Hang, einen interessanten Aspekt hinzufügen würde.
Jedenfalls wieder sehr lesenswert!
Noch eine Irritation: Im Nachwort von Boris geht der Autor mit keinem Wort auf den Roman Die Schnecke am Hang ein… seltsam, aber der Text passt doch genau hinter das Nachwort zu Die Schnecke am Hang. Es stellt sich also heraus, wenn man beide Nachwörter zusammennimmt, dass der Roman in der Fassung Unruhe die Originalfassung ist, von Anfang der Sechzigerjahre, aber so von dem Autorenpaar verworfen worden war. Die überarbeitete Version hieß dann Die Schnecke am Hang, die aber ihrerseits eine verworrene Geschichte der stückweisen Veröffentlichung hatte, wegen der damals strikten kommunistischen Zensur. Erst nach der politischen Wende (späte Achtzigerjahre) wurde dann die Urfassung Unruhe von den Brüdern für doch gut befunden und nachträglich herausgebracht… interessant.

Martin Suter: Allmen und die verschwundene Maria

12. April 2014

Da ist sie nun endlich, die heißersehnte Folgegeschichte von Allmen und die Dahlien.
Und was sagen wir dazu?
Meine Frau und ich haben mehrmals über das Buch diskutiert. Sicher ist es ein echter Suter, Qualitätslesestoff allemal.
Aber es ist auch eine Fortsetzung, im engsten Sinne des Wortes. Das heißt:
Derselbe Hintergrund, dieselben Personen, derselbe Schauplatz, nur dass die in den Dahlien angefangene Story weitergesponnen wird.
Das ist genau das, was dann doch ein wenig enttäuscht, denn die ersten drei Allmen-Bände waren ja vom inhaltlichen Hintergrund her völlig verschieden, jedesmal ganz neu. Wobei mir die Einsichten in den Hochfrequenzhandel der Börsen am meisten gegeben hat. Nun aber wieder Kunsthandel bzw Kunstdiebstahl, aber von genau demselben Kunstwerk und denselben interessierten Personenkreisen (immerhin konnten nicht alle alten Bekannten auftreten, da ja etliche im ersten Teil der Dahlien schon ihr Leben lassen mussten).
Zudem hat sich der gute Allmen selbst ein wenig den Ast abgesägt, auf dem er sitzt – ob das ein Zeichen ist, dass der Autor diesen Protagonisten loswerden will?
Tatsächlich hätte ich nichts dagegen, wenn sich Suter für den nächsten Roman wieder was wirklich Neues einfallen ließe.

Martin Suter: Allmen und die verschwundene Maria Diogenes, 2014

Arkadi und Boris Strugatzki: Werkausgabe bei Heyne Band 3

22. Februar 2014

Wenn ich nicht eBook lese, dann lese ich meist in der sehr umfangreichen Werkausgabe von Heyne der gesammelten Strugatzki-Bücher weiter.

Bisher habe ich 6 Bände dieser Werkausgabe, jeder davon enthält gleich etliche der Romane und Erzählungen der Brüder Strugatzki. Dazu umfangreiche Listen der von den Schriftstellern verwendeten Zitate, und vor allem: Ein ausführliches Nachwort von Boris zu jedem im Band vorkommenden Werk, mit viel Hintergrundinformation zur Entstehung einerseits und zur oft quälend langwierigen, mit viel Hindernissen verbundenen Veröffentlichung im damals sozialistischen Regime der Sowjetunion.
Bisher habe ich mich durch die ersten zwei Bände der Werkausgabe durchgekämpft, seit Anfang des Jahres habe ich den dritten Band in Arbeit.
Im Januar las ich wieder mal „Die Schnecke am Hang„, eines meiner absoluten Lieblingsbücher, diesmal aus der Werkausgabe, und dann den verwirrenden Kommentar des einen Autors Boris… ach, ich hab das anders interpretiert, immer schon, und doch hat mir der Boris die Augen geöffnet für ganz andere Aspekte (vor allem die feministischen), und dann – letzten Endes finde ich meine Interpretation doch die schlüssigere… spannend. Wobei er dem Leser ja explizit offen lässt, sich seine eigene Auslegung zu suchen…
Dann las ich „Die zweite Invasion der Marsmenschen„, wieder aus dem dritten Band der Werkausgabe. Und obwohl das Buch in meiner Sammlung der Suhrkamp-Ausgaben oben im Phantastik-Regal steht, musste ich feststellen: ich hab das Buch nie gelesen! Hatte es wohl mit einem ähnlichen Titel von Lem verwechselt. Also jetzt zum ersten Mal gelesen, und ich war beeindruckt. Es bezieht sich übrigens nicht auf Lem, sondern auf H. G. Wells.
Als nächstes „Die Last des Bösen„. Das ist ja nun ein Hammer. Einerseits sehr viel Anleihe bei Meister und Margarita von Bulgakov, andererseits wieder so ganz anders, sehr viel zeitgeschichtliches/politisches aus dem Anfang der Achtziger Jahre, und natürlich keinerlei Voraussage der großen Wende (Zusammenbruch des Kommunismus). Alles sehr komplex, auch vom Formalen her nicht einfach, vielleicht könnte man sagen, ein reifes Spätwerk… aber das steht mir wohl nicht zu.
Das kurze Stück „Aus dem Leben des Nikita Woronzow“ hatte ich in wenigen Stunden durch, passt gut zu der Last des Bösen. Beides weit weg von Science Fiction.

Werkausgabe – Dritter Band – Arkadi und Boris Strugatzki – 2013 Heyne Verlag

Josef Mostbauer: Zwischen Brücken

22. Februar 2014

Ein ganz aktueller Roman (2014!).
Von den ersten Seiten an war ich drin, in dieser Geschichte, die die Jugendjahre, das Erwachsenwerden, und die erwachsene Zeit des Protagonisten erzählt, der wohl so ziemlich gleichalt sein muss wie ich bin. Das wühlt viele Erinnerungen auf, denn der Erzähler lässt die alten Zeiten, die sechziger, siebziger, achtziger Jahre so intensiv, farbig, plastisch auferstehen, dass ich mich dem nicht entziehen konnte und das Buch in einem Rutsch (mit Pause für’s Abendessen) durchgelesen habe.
Auch die Erinnerungen an den Vater, und dessen Erinnerungen, vor allem an die Kriegszeiten, sind sehr wichtig, andererseits die Themen der jeweiligen Zeit. Vielfach durch geschickt erwähnte Besonderheiten von diesen Jahren gezeichnet, vor allem aber immer wieder durch die jeweils aktuelle Musik, natürlich in erster Linie der Popmusik. Da könnte man beim Lesen richtig sentimental werden, aber dazu lässt der Autor es nicht kommen. Denn man spürt die ganze Zeit: da stimmt was nicht, das läuft nicht wirklich so gut, das steuert auf einen Abgrund zu… Obwohl man zunächst nicht festmachen kann, was genau das Problem ist. Dazu gibt es ja auch viel Positives. (Mein persönliches Sahnehäubchen war die zweimalige Erwähnung eines rundlichen Mädchens mit sehr kurzem Röckchen…) Aber doch… immer weiter, aber was fehlt?
Nach der Hälfte etwa habe ich mal innegehalten und drüber nachgedacht: warum fühlt man sich nicht wohl, wenn man die Welt durch die Augen des Johnny Winter sieht?
Meine Erklärung ist: Unerfüllt. Der Johnny ist unerfüllt, nicht nur sexuell, das vielleicht am wenigsten, aber überhaupt: schulisch, beruflich, seine Freundschaften, seine Eltern, alles irgendwie – nicht zufriedenstellend, eine Unruhe, eine Suche, aber die Erfüllung bleibt aus. (Auch den Leuten um ihn herum scheint es nicht anders zu gehen.)
In der zweiten Hälfte dann wird das Problem, Johnnies persönliches Problem, explizit dargestellt – ich möchte hier nichts verraten… nur: es bleibt packend bis zum Schluss.
Für die Story und die dichte Athmosphäre, die gleichzeitig minimalistisch-sparsame und doch so farbige Erzählweise gibt’s die volle Punktzahl! (Nur ein Scherz, steht mir wohl kaum zu das zu beurteilen…)
Weniger sicher bin ich mir mit der sprachlichen Form des Romans: Hier gibt es sehr verschiedene Stile, die sich – für mich – nicht überall schlüssig verbinden. Besonders die ersten Seiten sind wie ein buntes Kaleidoskop, was seinen Reiz hat, später aber gibt es eher „normaleren“ Erzählstil. Und eine anstrengende Art der „Rückblende“, bzw besser gesagt des zwischen verschiedenen zeitlichen Erzählsträngen Hin- und Herspringens. Manchmal wird der Leser mit Hilfe stenografisch kurzer Aufzählung von geschichtlichen Eckpunkten auf eine bestimmte Zeit eingestimmt, manchmal sogar einfach per Jahreszahl, dann wieder kommt man erst nach einer Seite Text drauf, dass der aktuelle Abschnitt 30 Jahre früher spielt als der letzte…
Das ist zwar etwas anstrengend, macht aber auch Spaß. Nur hätte ich das etwas konsistenter durchgezogen, denke ich mir…
Insgesamt ein absolut lesenswertes und genießenswertes Buch, insbesondere für Leute, die zur Zeit der Stones und Pink Floyd in die Schule, Lehre oder Uni gegangen sind…

Josef Mostbauer: Zwischen Brücken – Roman. BoD Norderstedt 2014

Martin Suter: Allmen und die Dahlien

21. Februar 2014

Im Spätherbst, irgendwann, hab ich den letzten Allmen-Suter-Krimi gelesen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war die Allmen-Serie ja als Krimi-Parodie angekündigt, aber eigentlich verstehe ich nicht, was da die Parodie sein soll.
Auch der dritte Band, mit den „Dahlien“ (es geht um ein Gemälde), ist wieder ein richtig guter Krimi, mit viel Milieu, mit tiefen Einblicken in das Leben der Superreichen und den Kunsthandel, gleichzeitig der gekonnten Darstellung der Situation illegaler Ausländer in der Schweiz, und und und… und auch, natürlich, einiger Action.
Aber im Laufe eines langen Leseabends wird das Restbuch dünner, dünner, und man spürt schon wie die Erzählung zu Ende geht. Der Fall ist praktisch gelöst, ja, ganz gelöst, wunderbar, Entspannung macht sich breit… – – –
– – – und dann, buchstäblich auf der letzten Seite, stürzt uns der Autor in neue Verzweiflung: Nein! Das darf ja nicht wahr sein, wie kann er das machen…

Zu meiner großen Erleichterung habe ich die Ankündigung gelesen, dass der vierte Allmen-Band nicht mehr fern ist, im März soll er herauskommen…
ein must-have, allemal.

Martin Suter: Allmen und die Dahlien, 2013

Lektüre: eBooks Kurzbewertungen

20. Februar 2014

Seit einiger Zeit lese ich wieder mehr, und zwar lässt sich das genau festmachen, seit Weihnachten 2012 nämlich haben wir ein Kindle Touch Paperwhite, und damit kann ich auch spät abends bei schlechtem Licht oder ohne Licht wunderbar und ohne Anstrengung lesen.
Auch auf dem iPad kann ich sehr gut lesen, jedenfalls weit besser als auf Papier, und doch nicht ganz so gut wie auf dem Paperwhite (das dürfte an dessen nichtspiegelndem Display liegen).
Die Liste der elektronisch gelesenen Bücher ist lang, und hier ist nicht alles relevant, manches war nur einfachste Unterhaltung.

Aus der Sparte Phantasie:
Kai Meyer: Die Sturmkönige – eine Serie, die mehr oder weniger im Orient spielt, im Mittelalter… sehr spannend und sehr originell *****
Dana S. Eliott: Taberna Libraria – ein Anfang einer Serie, liebenswerte Charaktere, die Story nicht überall ganz so toll, im großen und ganzen aber gut. ****
Ann-Merit Blum: Meleons magische Schokoladen – sehr originelle Phantasy um einen Zauberer, der mit Süßigkeiten arbeitet, tw. nervige altdeutsche Mentalität. ***

Krimis:
Jean-Luc Bannalec: Bretonische XXX: die Fälle des Kommissars Dupin – eine bretonische Krimiserie, geschrieben von einem deutschen Wahlbretonen, super! *****
Martin Walker: XXX Die Fälle des Bruno, chef de police – französische Krimiserie, geschrieben von einem britischen Wahlfranzosen, very cool ****
Elke Bergsma: Das Teekomplott – ein friesischer Krimi, teilweise sehr viel Lokalcolorit, dann wieder etwas oberflächlich. **
Hakan Nesser: Die Einsamen – Ein Fall für Inspektor Barbarotti – ein echter Nesser, mehr brauche ich nicht zu sagen. *****
Graham Masterton: White Bones – (1) Katie Maguire – ein irischer Krimi, sehr gute Story, viel geniale Mystik, aber für meinen Geschmack zu explizite Grausamkeit. ***

zu schön um wahr zu sein: Absichten des Patriot-Act Autors

11. Oktober 2013

Ein spannender Artikel, leider lässt sich (für mich) überhaupt nicht abschätzen, ob das reines Wunschdenken ist oder irgendeine reale Chance auf Verwirklichung hat.

Und dann noch die Frage, selbst wenn er das in Amerika durchbringt, ob die Europäer dann da mitziehen, oder bei ihren üblen Praktiken bleiben – die gerade noch drastisch verschlimmert werden sollen.

heiße Luft – was von der Demokratie bleibt

7. Oktober 2013

wer noch immer glaubt, dass wir in Rechtsstaaten, Demokratien leben, dass wählen gehen wichtig ist, dass es uns besser geht als Bürgern in Diktaturen, sollte mal zB diesen Artikel lesen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Obamas-War-on-Leaks-Informanten-gefaehrdet-Informationen-unter-Verschluss-1973478.html
und sich dann klar machen, dass die USA im Rampenlicht stehen, was diese Themen angeht – Deutschland aber wenig, Österreich gar nicht international beachtet wird.
All diese Überwachung und Manipulation gibt bei uns genau so – nur erfährt man das nicht (so leicht).

Marlene Streeruwitz: Durch Unterlassung.

7. Oktober 2013

Heute war der lange angekündigte Vortrag der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz im Rahmen der Reihe „Menschenrechte – Anleitung zum Mutigsein„, bei der es um Zivilcourage gehen soll, im Wissensturm.
Nach etlichen Vorreden der diversen Gastgeber und Veranstalter kam dann endlich die berühmte Autorin zu Wort.
Ich war aber bald ziemlich enttäuscht.
Erstens hat sie das meiste vorgelesen, aber nicht so, dass ihre besondere Sprache mit den vielen Punkten und abgehackten Sätzen rübergekommen wäre. Zweitens war der Text so überirdisch anspruchsvoll, kompliziert, durchsetzt mit mir unbekannten Fremdworten, kurz gesagt schwer verständlich, dass das Zuhören ernsthaft anstrengend war und ich sicher nicht alles mitbekommen habe. Dazu hat sie viele Themen in einem einzigen Atemzug so überraschend verwürfelt, verknotet, vermengt, dass mir manches Mal die Luft weggeblieben ist. Drittens ist sie ab und zu so emotional geworden, zB so wütend, dass sie frei geredet, oder eher nur noch herumgestottert hat und auch Wendungen benutzt hat, die einer Literatin unwürdig sind („ich würde meinen“, …). Nein, da war es schon besser, wenn sie bei ihrem Manuskript geblieben ist.
Dazu kam immer wieder ihr Kreuzzug gegen die Hochkultur, gegen die diversen Festspiele und allgemein gegen Elite und faschistische Auswüchse – dabei bekamen so illustre Persönlichkeiten wie Welser-Möst und André Heller volle Breitseiten ab, aber auch etliche Politiker, teilweise namentlich genannt: Dass sie nicht mutig wäre, ist allerdings das letzte, was man ihr vorwerfen könnte.
Fazit: Wer die besten Romane schreibt, muss nicht die brillanteste Philosophin sein…
Und dann kam noch ein Lehrer aus dem Mühlviertel dran, ich wusste gar nicht, dass es zwei Vorträge geben würde (selbst in diesem Moment ist auf der Homepage von SOS Menschenrechte nur von der Streeruwitz die Rede). Das war ein ziemliches Kontrastprogramm, sehr einfach, sehr praktisch berichtete der über seine frech-mutigen Aktionen, die er mit seinen Schulklassen in den letzten 20 Jahren so durchgezogen hat – mit teilweise überraschenden Erfolgen, aber auch mit Verhören durch die Staatspolizei. Wirklich gut reden konnte der Mann auch nicht.
Die anschließende Diskussion begann der Moderator Prof. Ötsch mit zwei Fragen an die beiden Vortragenden, die diese so „spannend“ beantworteten, dass meine Frau und ich uns einig waren, uns das weitere zu ersparen.

Wen es interessiert, die Vorträge sollen im Internet veröffentlicht werden, in den nächsten Tagen, dann kann sich jede sein eigenes Bild von der Sache machen.