Doris Knecht: Gruber geht

Ein ganz neues Buch.
In moderner, junger Sprache, spritzig und witzig. Schnell, manchmal fast hektisch. Immer frech, immer treffend. Meist humorvoll.
Tatsächlich habe ich lange bei keinem Buch soviel laut lachen müssen wie bei diesem Roman. Andererseits ist mir das Lachen auch oft genug im Hals stecken geblieben. Denn dem selbstbewussten, aufstrebenden, gutverdienenden, stilvoll gestylten, porschefahrenden Gruber geht es bald gar nicht mehr gut. „Danke, Schicksal!“, beklagt er sich mal zynisch.
Mitleid hat man freilich die längste Zeit keines. Dafür ist er zu egoistisch, zu direkt auf seinen Vorteil bedacht. Und doch.
Wenn es ihn dann so trifft…
Die Schauplätze Zürich, Wien und Berlin werden mit viel Detailwissen beschrieben, genau wie die Lebensumstände gewisser Schichten. Andererseits wieder nur ganz kleine Ausschnitte. Alles sehr selektiert. (Was Bobo ist, habe ich so ungefähr verstanden aus dem Kontext. Ich dachte erst, die Knecht hätte das erfunden. Es gibt aber einen Wikipedia-Artikel darüber. Inkl. Erwähnung des Wiener Falter, für den die Knecht Kolumnen schreibt.)
Erschreckend der allzu lockere Umgang mit Drogen, aber vielleicht ist das wirklich so in diesen Kreisen? Und dann wieder diese Macho-Einstellung zu Frauen und Kindern, zu seinen Verwandten, und überhaupt. Unter die Haut gehend natürlich auch die sehr brutale Beschreibung des Krankheitsverlaufes, mehr will ich hier nicht verraten.

Was ich mich frage, wie empfindet man in 5, oder 10, oder 20 Jahren so ein Buch mit viel Erwähnung derzeitiger Technik (iPhone, Facebook, …), wird das dann altmodisch wirken?

Insgesamt ein tolles Buch, hochaktuell, spannend, und regt zum Nachdenken an. Wärmstens empfohlen.

Doris Knecht: Gruber geht 2011 Rowohlt Berlin

2 Reaktionen zu “Doris Knecht: Gruber geht”

  1. Beatrix Petrikowski

    Das Buch ist in der Tat aktuell und spannend geschrieben, was schon fast eine Überraschung ist bei dem Thema. Wirklich wärmstens zu empfehlen!

  2. Freiheit, Meinung, Recht » Blog Archiv » jetzt als Film: “Gruber geht”

    […] jetzt der österreichische Film “Gruber geht”. Ich fand schon das Buch so genial, siehe meine Besprechung hier. Der Film steht dem Buch in nichts nach, die Charaktere sind perfekt umgesetzt bzw die Schauspieler […]

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