Michel Houllebecq: Karte und Gebiet (3)

7. Dezember 2011

Schnitt, Cut, Bruch – Überraschung!
Teil 3 von Karte und Gebiet beginnt mit einem Knalleffekt.
Auf einmal befinden wir uns mitten in einem Krimi mit einem grausigen Mordfall und der von anderen Krimis (Simenon, Vargas, …) bekannten Pariser Mordkommission vom Quai des Orfèvres.
Na so was. Wirklich verblüffend. Nicht dass es in seinen anderen Büchern keine Action-Szenen gäbe, aber ein richtiger Krimi?
Ich will hier nichts verraten, aber letzten Endes wird es doch kein echter Krimi. Viele Komponenten sind da, das Wichtigste (?) fehlt aber. Mehr kann ich nicht sagen.
Im Grunde will das Buch lieber ein echter Houllebecq bleiben, als zum Krimi zu mutieren…

Sehr verblüffend fand ich dann die vielen kurzen Abschnitte im ewig langen Epilog. Warum kann es der Autor nicht damit bewenden lassen, denke ich von Seite zu Seite, immer noch etwas anhängen, noch eins draufsetzen, oder auch etwas zurechtrücken… muss das sein? Also ich hätte das weggelassen. Und das. Und dieses schon überhaupt. Wie eine Beethoven-Symphonie, die nach dem Finale immer nochmal weiterführt und ein noch bombastischeres Finale draufsetzt, und noch eins… Michel, lass es gut sein. Es war gut, aber jetzt reicht’s… Oder doch nicht? Darüber habe ich mehrere Nächte lang nachgegrübelt, und nun eben die wirklich letzten fünf Seiten gelesen, und jetzt denke ich: Doch, ein langer Abgang ist auch nicht schlecht, wie bei einem guten Whisky.
Epilog hin oder her, insgesamt ein absolut faszinierendes Buch, tiefgehend, eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe – so vielfältig, intelligent, unterhaltsam, spannend, und doch alle wirklichen Fragen offen lassend – bitte frage mich niemand, worum es in dem Buch wirklich geht. Ich weiß es noch immer nicht, ahne etwas, aber mehr ist nicht drin – nicht bei Houllebecq.

Michel Houllebecq: “Karte und Gebiet” – Roman, DuMont Köln, 2011 – original: “La carte et le territoire”, 2010

Michel Houllebecq: Karte und Gebiet (2)

1. Dezember 2011

Nachdem mich im ersten Teil des Buches schon die Themen Großformatfotographie und Michelin-Karten begeistert hatten, kommen im zweiten Teil noch weitere für mich sehr interessante Themen zur Sprache. Weit interessanter, als die bisherigen seiner Bücher, denn die Touristikbranche oder die Teilchenphysik kann ich höchstens erdulden, und natürlich sind alle diese Bereiche im Grunde auch nicht wirklich wichtig.
Aber was ist denn nun wichtig? Am Ende des zweiten Teils des Romans lässt sich das jedenfalls noch nicht sagen, aber natürlich geht es Houllebecq immer wieder um die Frage nach dem Sinn. Grundlegend. Warum leben wir, warum arbeiten wir, warum versuchen wir uns in dieser doch gar nicht schönen Welt irgendwie durchzuschlagen? Das scheint mir sein Hauptthema zu sein, immer schon, und auch im neuen Werk wieder – und auch im neuen Werk wieder vermutlich ohne Antwort… aber das will ich erst mal abwarten.

Michel Houllebecq: “Karte und Gebiet” – Roman, DuMont Köln, 2011 – original: “La carte et le territoire”, 2010

Martin Suter: Lila, lila

28. November 2011

Die Bücher von Martin Suter, genremäßig nicht eben leicht einzuordnen, verschlinge ich meistens.
Nicht so: Lila, lila.
Dieses Buch hat kaum Elemente von Thriller oder Krimi, fängt eher schnulzig an… aber die erst 1, dann 2, dann 3 Protagonisten bauen ihr Leben dermaßen verrannt auf Betrug, Lügen, Täuschung auf, dass es mir nur so gegraust hat.
Auf jeder Seite mehrmals der Gedanke, na hör mal, das kann doch nicht gut gehen, das kann doch nichts werden. Aber sie haben meine stillen Zurufe nicht gehört, und so musste das Verderben kommen, freilich nicht auf einen Schlag, sondern langsam, kriechend.
Und dazwischen immer wieder Hoffnung (”ich werde ihr alles erzählen”) und wieder umsonst, wieder “kommt etwas dazwischen”, mal wirklich, mal vorgeschoben.
Insgesamt ein wahres Drama.
Dabei könnten sie es doch alle so gut haben, wenn sie sich zusammensetzten und mal richtig aussprächen…
Ich habe 6 Wochen gebraucht, bis ich durch war, immer wieder musste ich Pause machen, Mut sammeln, um dann wieder zehn Seiten auszuhalten…
Trotzdem, oder gerade deswegen, sehr gut, wieder mal: Martin Suter räumt bei mir immer die volle Punktzahl ab…

Martin Suter: “Lila, lila” – Roman, Diogenes Verlag, 2004

Donauminiaturen, auch als eBook

28. November 2011

Seit 25.10.2011 ist mein Buch als Printversion zu haben, kurz danach in den meisten online-Shops für e-Books für praktisch alle elektronischen Reader erschienen.
Nach einiger Wartezeit kam es dann am 20.11.2011 auch in den Apple iBookstore, sowohl in den deutschen als auch den österreichischen. Spät aber doch.
Links auf der Buchseite Donauminiaturen.

Michel Houllebecq: Karte und Gebiet (1)

26. November 2011

Lieber Neffe,
jetzt habe ich die ersten 110 Seiten (gefühlte 30 Seiten, war eben ganz überrascht, dass es doch schon so viele sind) gelesen.

Weder den Waschzettel noch deine Anmerkungen kann ich bis jetzt nachvollziehen, vielleicht kommt das noch…

Für mich war nach den ersten 10 oder 20 Seiten ein starkes Gefühl zu spüren, ein Gefühl des … hmm… Heimkommens? Nein, nicht heim, aber zurück, also ein Gefühl da wieder hinzukommen, wo man schon mal war und sich auch wohlgefühlt hat. So ungefähr.

Wie mir das klar wurde, dachte ich mir: Moment, ist doch schon so lange her, dass ich diesen Franzosen gelesen habe – aber ja, doch, das ist der Houellebecq-Stil, ganz klar, damals hab ich 2 oder 3 Bücher relativ schnell hintereinander gelesen, jetzt ist es eine Art Wiedersehen, mit dem Autor.

Und der soll sich verändert haben? Sagen sie, sagst du? Sicher ja, irgendwie, aber eher unmerklich.
Ein absolut typischer Houllebecq, bis jetzt auf alle Fälle!
Ich finde alles wieder, wie gehabt:
- das seltsame unmerkliche Vermischen von Rückblicken und Gegenwart, bis man nicht mehr so richtig weiß, welche der erzählten Zeiten überhaupt die eigentliche ist…
- die kategorische, wie wissenschaftliche belegbare Analysen klingende Beschreibung von diversen gesellschaftlichen Vorgängen der jüngeren Vergangenheit,
wie zB der Speisenwahl der Restaurantgäste, Tourismusindustrie, Großstadtplanung, der von Männern derzeit bevorzugte Frauentyp, oder was immer…
(obwohl man als Leser bald weiß, dass diese Beschreibungen eher dem Wunschdenken oder der Phantasie des Autors entstammen, als dass sie Fakten wären…)
- die absolut bösartige bis zyn. Beschreibung von Sex, Liebe, körperlichem Verfall = Alter, Zusammenhang von Sex und Geld etc. etc.
- die echte Sachkenntnis auf verschiedenen Gebieten, hier zB Fotografie, sogar Großformatfotografie, wobei dann auf S. 72 doch ein kleiner Schnitzer unterlaufen ist, aber bitte… das kann passieren
- die immer etwas distanziert bleibende Darstellung der Protagonisten, so dass man als Leser nie so ganz 100%ig “warm” wird mit ihnen

… nicht vollständig, diese Charakterisierung seiner Bücher, aber mal ein Versuch…

wirklich ein toller Autor, aber mehr als hundert Seiten, eher 50, schaffe ich da nicht am Abend.
Den letzten Martin Suter (Allmen und die Libellen) habe ich in einem Abend ausgelesen, ebenso den viel dickeren Hakan Nesser (schwedischer Krimi).
Für den vorletzten Suter (Lila lila) habe ich wegen seiner depressiven Grundstimmung fast 2 Monate gebraucht…

Liebe Grüße …

(Wunderbar auch seine Verehrung der Michelin-Straßenkarten, die ich seit 1972 schätze und die trotz aller Navi-Fortschritte für einen rundum gelungenen Frankreichurlaub noch immer unverzichtbar sind…)

Soweit meine Gedanken zu den ersten 117 Seiten von
Michel Houllebecq: “Karte und Gebiet” – Roman, DuMont Köln, 2011 – original: “La carte et le territoire”, 2010

Krimis von Fred Vargas

21. November 2011

Über den Sommer habe ich etliche Krimis von der französischen Autorin Fred Vargas gelesen.
Es gibt da einen zunächst recht sympathischen Kommissar, mit dem deutschen Namen Adamsberg. Dieser hat allerdings auch seine dunklen Seiten, wie dem Leser häufig erschreckend drastisch vor Augen geführt wird, und wir fragen uns, ob wir ihn wirklich mögen… aber ja doch, man muss ihm einfach verzeihen. Aber er ist keineswegs allein, seine Leute in der Kriminalpolizei und auch außerhalb haben oft sogar wichtigere Rollen bei der Aufklärung ziemlich skuriller Fälle als er selbst. Da sind mal diese drei verkrachten Studenten, die zumindest finanziell auf keinen grünen Zweig kommen, aber wahre französische Lebenskünstler sind. Oder die dicke, unglaublich starke Polizistin, die den Kommissar mal dadurch rettet, dass sie ihn an ihrem nackten Körper versteckt… spannend, aber auch viel zum Lachen.
Damit ist das Spektrum noch lange nicht abgedeckt. Manches mal gleitet die zuerst so realistische Geschichte ins Phantastische ab, und ich frage mich dann, gibt es das wirklich? ZB, können Frösche explodieren, von Zigarettenrauch? Dann denke ich mir, das hat sie sich fein ausgedacht, aber wer weiß, wenn nun doch was dran ist? Eine der Geschichten greift Motive aus den Vampir-Sagen auf, da wird es dann eindeutig märchenhaft.
Mehr will ich nicht verraten, aber was die Vargas schreibt, ist allemal gute Unterhaltung und sehr lesenswert, aber hier und da braucht man starke Nerven.

Mein neues Buch

11. Oktober 2011

Mein neues Buchprojekt ist zum Verlag geschickt, Vertrag gemacht, Probeexemplar bestellt, jetzt heißt es warten.
Spannend.

Cover von Donauminiaturen

Donauminiaturen Cover

Stadtwache in Urfahr

11. Oktober 2011

Nun haben wir die umstrittene Stadtwache (Ordnungsdienst) seit einiger Zeit in Linz. Auch am Donauufer auf Urfahraner Seite, vorm AEC und beim Jahrmarktgelände, sind die oben rot, unten schwarzgekleideten Pärchen häufig aufgetaucht. Inzwischen wurde die Mannschaft aufgestockt. Angeblich, um auch bisher wenig frequentierte Randbezirke beglücken zu können.
Dann gehört wohl Alturfahr-West auch zu diesen Randbezirken.
Jedenfalls habe ich gestern spät abends ein Dreiergrüppchen (!) überholt, mit dem Fahrrad, kurz vor dem Steinmetzplatzl. Dabei musste einer der drei zur Seite hüpfen, weil sie zu dritt die ganze Straßenbreite beansprucht hatten. Es sind ja nicht unbedingt die Schlankesten, und die Jacken und Gürteltaschen tragen auch ganz schön auf…
Und heute kam mir ein Pärchen sogar in unserer polizeiverlassenen Gasse entgegen. Tapfer, tapfer.
Wenn sie nur keinen Blödsinn machen.
Immerhin, wenn sie erfolgreich etwas gegen die Hundekoteskalation in der Rudolfstraße erreichten, das wäre nicht schlecht.

finale Buchphase

9. Oktober 2011

Wieder mal bin ich dabei, ein Buch zu finalisieren. Endredaktion, sozusagen.
Der Untertitel heißt:
“Eine Sammlung kleiner Texte vom Leben am großen Strom”
Sowohl Inhalt als auch Einband werden in Scribus gesetzt, mit diesem Layout-Programm kenne ich mich jetzt schon ganz gut aus. Hab es sogar hinbekommen, zwölf weitere Seiten weit vorne einzuschieben, ohne den schon mehr oder fertigen hinteren Teil neu machen zu müssen. Sieht ganz gut aus, finde ich. Obwohl Vollprofis sicherlich immer noch genug auszusetzen fänden.
Aber wenn man sich so anschaut, was Verlage teilweise veröffentlichen, da brauche ich mich nicht zu verstecken.
Und von meinen Texten bin ich sowieso überzeugt… sonst hätte ich das Projekt ja nicht angefangen.
Mehr demnächst.

Moral

5. Oktober 2011

Hauptüberschrift der OÖ Nachrichten vom 23.9.2011:
“Der Papst fordert von der Politik moralische Verantwortung”
Leider habe ich kein wörtliches Zitat gefunden, aber nehmen wir mal an, der Papst hat das so gesagt:
Das ist der Grund, warum ich Moral zutiefst ablehne. Ich nenne mich einen unmoralischen Menschen, eben weil ich Moral für etwas Schlechtes halte.
Was ist Moral denn?
Moral sind Verhaltensvorschriften, die man anderen macht – typischerweise von oben herunter. Oder der anderen Partei/Religion/Konfession hinüber. Mit einem wichtigen Kennzeichen: solche Vorschriften nämlich, die man meint, nicht selbst einhalten zu müssen.
Moral ist ein Herrschaftsinstrument, ein Werkzeug, um Macht durchzusetzen.
Besser als anderen Moralvorschriften zu machen ist es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.
Im Privatbereich kann man das leicht ausprobieren und wird es auch viel gemacht. Je weiter man in den Hierarchien unserer Gesellschaft(en) hinaufschaut, je weniger findet man leuchtende Vorbilder. Ganz oben?
Hmm, da muss es doch jemanden geben? Denk, denk, denk. – Ach ja.
Wenigstens der Dalai Lama fällt mir da ein… (und der ist kein Christ).

noch mal „Totale 2011“ Festival für parallele Kunst

20. Juni 2011

Kennt noch jemand die SF-Novelle „Der futurologische Kongress“ von Stanislaw Lem?
Wo man ständig aus einem bösen Traum erwacht, nur dass es in Wirklichkeit, eine Ebene tiefer, dann noch schrecklicher ist, und man dann fast erleichtert feststellt, es war wieder nur ein Traum, aber die nächste Wirklichkeit ist doch noch schlimmer…
Und jetzt das Kunstfestival „Totale 2011“.
Da gibt es ein knallrotes Programmheft, das man auf Plakatgröße auseinanderfalten kann – und muss, um an alle Seiten heranzukommen. Fast zwanzig Events werden da auf jeweils einer Seite beworben, mit einem reißerischen Titel und einem ebenso reißerischen Text, mit Termin und Ortsangabe.
Aber das ist man ja gewohnt, nicht nur von der Kunst – bis zum Waschmittel wird jedes und alles in unserer Gesellschaft von der Werbung aufgeblasen bis zu den fantasievollsten Superlativen. Kennen wir schon.
Doch dann, aufwachen. Sozusagen eine Ebene tiefer. Diese Texte. Die sind doch ganz schön frech. Werden da nicht die bunten Blumenbeete unserer Stadt lächerlich gemacht? Und die Stadtwache, oder doch nur ihre Uniformen? Moment mal. Ist das womöglich alles nur eine einzige Verarschung? Na, sagen wir, eine Art Kabarett.
Noch eine Ebene tiefer. Nur Blödsinn kann es nicht sein, wenn doch so berühmte Leute wie Salman Rushdie sich dazu geäußert haben: „Einfach unvergesslich“. Und die Einladung in den Dining Room an der Promenade. Kommt uns bekannt vor, aber eigentlich kennen wir es nicht. Noch nicht. Also gehen wir hin? Und wenn damit einfach – nein, das können die doch nicht machen – oder doch, wenn einfach die Promenade… Wir studieren das Heft: City Runner, eine von beiden Seiten begehbare Installation. Oder: Oh entflieh! Samstags um 12. Spinnenweben am Lentos. Verkehrslärm auf der Brücke. Und wenn der Rushdie nur einfach so zitiert ist, ohne das Projekt überhaupt zu kennen? Straßenbahn. Sirene. Halt! Halt! Wir fallen…
Und wachen eine Ebene tiefer wieder auf. Da haben sie lauter eigentlich banale Dinge, alltägliche Ereignisse, die sowieso da sind, in den Rang eines Event erhoben. Mit fetzigen Sprüchen und dazugesponnen Anfangszeiten. Selbst den Mond eingespannt. Ganz nette Idee, was? Aber für ein „Festival für parallele Kunst“ doch vielleicht ein bisschen wenig? Und das Festival besteht eigentlich genau aus dem Programmheft (mit dem dazu synchronen Webauftritt www.totale.at)? Sonst nichts? Nichts! Es gibt nichts Konkretes sonst. Hilfe, wir stürzen…
Im Gegensatz zum Buch von Lem fallen wir nun doch endgültig auf festen Boden. Nein, es war nicht nur heiße Luft, nicht nur reißerische Verpackung von nichts.
Wir gehen durch Linz – und ich denke, es wird auch überall sonst funktionieren – und sehen erst dies und das, dann immer mehr, schließlich alles, einfach ALLES, TOTAL alles, mit neuen Augen. Hören die Geräusche neu. Riechen, was es da zu riechen gibt, und spüren die Erschütterung in den Mauern unter der Brücke. Grinsen entspannt über die Stadtwachepärchen. Alle Sinne bekommen was zu tun. TOTALE 2011. Total gut. Das ist nachhaltige Kunst.
Total. Ohne Eclipse. Auch wenn die den Höhepunkt geliefert hat.

rudolf mittelmann – 17.6.2011

Kunstfestival “Totale 2011″

15. Juni 2011

Totale 2011 – Festival für parallele Kunst
Heute, am Mittwoch Abend, ist die zentrale Veranstaltung dieses Festivals gewesen: “Super Luna”.
Aus dem Programmheft:
“Einen spektakulären Höhepunkt erreicht das Festival mit dieser Performance, die sich in ihrem Wirkungsfeld über den gesamten Raum Linz und darüber hinaus erstrecken wird.
Ein gigantisches, 3476 km durchmessendes Objekt wird im Laufe dieses Abends durch Verschiebung und Lichteffekte scheinbar zum Verschwinden gebracht. …”

3476 km? Da müsste doch was klingeln?

Und während da die Lichteffekte und Verschiebungen in astronomischem Ausmaß arbeiteten, war die Künstlerin Terri anwesend, es gab Sekt und gute Stimmung. (Nur schade, dass die Musik pünktlich um 22 Uhr abgeschaltet wurde.)

Aber – es war wirklich fantastisch.
Dank an die Künstler Therese Frühling und Wolfgang Fuchs.

Hörspiel: “Die Frau mit der Bankenkrise”

14. Juni 2011

Heute abend im Radio OE1:
“Die Frau mit der Bankenkrise”. Buch und Regie: Michael Stauffer.
(Mit Vanessa Stern, Stefanie Fraunwallner, Christian Ahlers, Urs Jucker, Richie Heller, Gregor Sander und Konrad Hummler.)

Ein witziges Hörspiel mit doch auch viel Nachdenklichem über die Bankenkrise und unser Wirtschaftssystem einerseits, und wie wir mit solchen Situationen im Alltagsleben fertig werden, oder auch nicht fertig werden, andererseits. Sehr fein gemacht, auch die Sounds und die Musik. Ein echtes Hörspiel im herkömmlichen Sinne, mit allem, was dazugehört.
Irgendwann gingen mir die immer verrückter werdenden Meldungen der Protagonistin auf die Nerven, aber dann verstand ich, wozu das nötig war, bzw. wo das hinführen sollte…
Und dann war’s wieder gut.

Sehr gelungen.
(Produziert vom WDR, 2010)

Verpackungswahnsinn: nicht!

5. Mai 2011

Über Verpackungswahnsinn und Mogelpackungen hat man schon vor 40 Jahren geschimpft.
Inzwischen ist das eher schlimmer geworden…
Um so erstaunter war ich heute. Ich wollte 2 Packungen Rohrzuckerwürfel kaufen (Wiener Zucker).
Die Packungen im Supermarkt waren aber sehr viel kleiner als die alten, etwa halb so groß. Ich nahm daher vier Packungen mit.

Zuhause sah ich dann, die alte Packung hat 500g, die neue hat auch 500g. Hä? Aber sie ist doch viel kleiner? Nach Augenmaß sind zwei neue Packungen etwa gleich groß wie eine alte.
Also nachgemessen:
Zwei neue aufeinandergestellt, in Millimetern: 105*56*178=1046640 Kubikmillimeter, also 1,04664 Liter Volumen.
Eine alte Schachtel: 101*67*161=1089487 Kubikmillimeter, schon fast 1,1 Liter.
Also ist die neue Verpackung tatsächlich knapp halb so groß wie die alte!
Es geschehen noch Wunder… und 500g Zucker passen in einen halben Liter Kartonverpackung. Ganz ohne Plastik.

Hörspiel: “oder 1 Schumannwahnsinn”

26. April 2011

Heute Abend im ORF 1 Radio:
“oder 1 Schumannwahnsinn”. Hörspiel von und mit Friederike Mayröcker. Regie: Klaus Schöning. 2011 ORF und SWR.

So die offizielle Ankündigung. Eigentlich ein Hörstück… gespielt wurde da eher nichts.
Ich habe vor Jahren mal versucht, Texte von der Mayröcker zu lesen, bin damals aber gescheitert. Konnte mit ihrer Sprache nichts anfangen, verstand auch nicht, worum es gehen sollte.
Hier nun las sie ihre Texte selbst. Ja, die einzige Stimme, die zu hören war, war die ihre.
Also war das ganze eher eine Lesung. Außer der Stimme gab es noch, leise im Hintergrund, die Klaviermusik von Robert Schumann, dem Protagonisten des Stückes.
Handlung war keine, dafür komplizierte Sprachbilder, Assoziationen, Verknüpfungen, auch Anachronismen, Austriafizierung… nicht gerade einfache Kost.
Für mich war das Schlüsselerlebnis, wie die Autorin ihre typischen Sätze vorliest, wie sie sie betont.
So werden die schwierigen Texte auf einmal verständlich.
Oft lässt sie Silben, oder Wörter, oder Satzteile einfach weg. Früher hab ich nicht verstanden, warum. Nun, das ist ganz einfach, es ist sich eben rhythmisch anders nicht ausgegangen, also weg damit. Und sie lässt nur weg, was redundant ist, man verpasst nichts.
Wirklich, hochinteressant, obwohl mir der Schumann ziemlich egal ist… na gut, immerhin habe ich nachträglich den länglichen Wikipedia-Artikel über ihn durchgelesen.
Ich glaube, ich werde mir wieder mal ein Mayröcker-Buch vornehmen…

Mein Buch “Der Junge und der Wald der Frauen” als eBook

7. April 2011

Mein Roman “Der Junge und der Wald der Frauen” ist nun auch als eBook erhältlich, u.a. in diesen Stores:

· Thalia.at
· Buch.de
· Libri.de
· beam
· novumpro.com

alle im PDF-Format, ohne DRM, also auf fast jedem Gerät zu lesen.
Viel Spaß damit.

Doris Knecht: Gruber geht

21. März 2011

Ein ganz neues Buch.
In moderner, junger Sprache, spritzig und witzig. Schnell, manchmal fast hektisch. Immer frech, immer treffend. Meist humorvoll.
Tatsächlich habe ich lange bei keinem Buch soviel laut lachen müssen wie bei diesem Roman. Andererseits ist mir das Lachen auch oft genug im Hals stecken geblieben. Denn dem selbstbewussten, aufstrebenden, gutverdienenden, stilvoll gestylten, porschefahrenden Gruber geht es bald gar nicht mehr gut. “Danke, Schicksal!”, beklagt er sich mal zynisch.
Mitleid hat man freilich die längste Zeit keines. Dafür ist er zu egoistisch, zu direkt auf seinen Vorteil bedacht. Und doch.
Wenn es ihn dann so trifft…
Die Schauplätze Zürich, Wien und Berlin werden mit viel Detailwissen beschrieben, genau wie die Lebensumstände gewisser Schichten. Andererseits wieder nur ganz kleine Ausschnitte. Alles sehr selektiert. (Was Bobo ist, habe ich so ungefähr verstanden aus dem Kontext. Ich dachte erst, die Knecht hätte das erfunden. Es gibt aber einen Wikipedia-Artikel darüber. Inkl. Erwähnung des Wiener Falter, für den die Knecht Kolumnen schreibt.)
Erschreckend der allzu lockere Umgang mit Drogen, aber vielleicht ist das wirklich so in diesen Kreisen? Und dann wieder diese Macho-Einstellung zu Frauen und Kindern, zu seinen Verwandten, und überhaupt. Unter die Haut gehend natürlich auch die sehr brutale Beschreibung des Krankheitsverlaufes, mehr will ich hier nicht verraten.

Was ich mich frage, wie empfindet man in 5, oder 10, oder 20 Jahren so ein Buch mit viel Erwähnung derzeitiger Technik (iPhone, Facebook, …), wird das dann altmodisch wirken?

Insgesamt ein tolles Buch, hochaktuell, spannend, und regt zum Nachdenken an. Wärmstens empfohlen.

Doris Knecht: Gruber geht 2011 Rowohlt Berlin

Margriet de Moor: Die Verabredung

18. März 2011

Ein Buch, das mich sehr berührt hat – einfach über den Inhalt einer etwas nichtlinearen Geschichte. Miteinander verwobene Liebesbeziehungen, in sehr plausiblen Alltagsszenen geschildert. So richtig zum mitleben.
Der Erzählstil gleichzeitig konventionell und gewagt. Denn oft muss die Leserin mühsam aus dem Kontext raten, wie die zeitlichen Zusammenhänge zu verstehen sind. Ansonsten direkt und unkompliziert.
Viel zu schnell habe ich dieses Buch verschlungen. Die Autorin fragt am Ende die Leserin, ob es ihr recht ist, die Protagonisten an dieser Stelle allein zu lassen, nimmt Einverständnis an und beschließt die Erzählung. Also, ich habe nicht zugestimmt. Aber das hat sie wohl nicht gehört…

Margriet de Moor: Die Verabredung 1999, deutsch 2000 Carl Hanser Verlag München Wien

Marlene Streeruwitz: Kreuzungen.

8. März 2011

Tolle, kunstvolle Sprache. Edelfeministische Erzählung. Anspruchsvolles Werk.
Und dabei doch zuerst einmal: hochspannende Lektüre!
Lesestoff vom Feinsten. Nie langweilig, gut verständlich, eingängig. Auch so kann Hochliteratur sein.

Okay, ich bin nicht objektiv, die Streeruwitz gehört schon lange zu meinen Lieblingsautorinnen.
Egal. Ein extrem lesenswertes Buch. Ich habe nur zwei Nachmittage und einen Abend gebraucht für die 250 Seiten.
Gestern ausgelesen. Reiner Zufall, dass ich am internationalen Frauentag über dieses Buch berichte…

Die Marlene hat sich da einen Mann ausgedacht, einen ungewöhnlichen, einen der schon ganz weit oben ist, und noch weiter hinauf will. Hinauf im Sinne von Reichtum, und auch im Sinne von Macht. In den ersten Kapiteln möchte man den Typen am liebsten windelweich klopfen, für seine unsägliche Menschenverachtung, seine Art des Herrschens, seinen Egoismus. Eine Übersteigerung des den Feministinnen ohnehin verhassten Prinzips Mann. Wirklich?
Mit Schubladendenken hat die Streeruwitz nichts am Hut. In der Tat entwickelt sie an diesem extremen Beispiel eines Mannes sogar allerhand liebenswerte Eigenschaften, ich denke da an den Einschub über Venidigs Katzen, und vor allem viel Nachdenkliches. Der Protagonist hat Gefühle, Selbstzweifel, denkt viel nach und kommt oft zu überraschenden Erkenntnissen. Im letzten Drittel des Romans hatte ich den Eindruck, die Autorin hätte sich sogar ein ganz klein bisschen verschaut in ihre Schöpfung… Seine Ehefrau kommt dagegen am Anfang sehr undeutlich daher, man erfährt von ihrem Hass und ihren Wutausbrüchen, aber wenig über ihre Denkweise, ihren Charakter, ihre Gründe. Später wird das Bild klarer, aber auch immer negativer.
Ein feministischer Roman? Sicherlich ein kritischer, böser Blick auf die Gesellschaft, aber andererseits auf einen sehr kleinen, elitären Teil derselben. Und doch voller Aussagen, über die es sich nachzudenken lohnt.
Nach den ersten Kapiteln habe ich gleich mal gedacht: Die Streeruwitz schreibt schon so böse wie die Jelinek, so finster, so zynisch… Aber das ist doch anders, hier gibt es auch immer Lichtblicke, immer Hoffnungsschimmer. Und dann, gegen Ende, kommt die Jelinek sogar vor in dem Buch, wenn auch nur ganz am Rand… Sozusagen aus dem Mund der bösen Ehefrau… was will uns Marlene damit sagen? Da bin ich noch am Grübeln.

Marlene Streeruwitz: Kreuzungen. Frankfurt, 2008. Als Fischer Taschenbuch 2010.

Hörspiel: Die Restlichen

8. März 2011

Letzten Dienstag im ORF Radio Ö1:

Die Restlichen
von Sabine Schönfeldt
Mit
Caroline Peters, Sven Philipp, Michael Menzel und Stephan Rehm
Produktion 2010

Ein Superhörspiel, hat auch viele Preise gewonnen, kein Wunder.
Es geht um eine Telefon-Meinungsumfrage. Die Befragte wird aufsässig, reißt die Kontrolle an sich, versucht den Befrager aus seiner stoischen Ruhe zu zerren, und als das gelingt, ist sie beleidigt, oder doch nicht? Spannend bis zum Schluss.