Stadtluft macht frei

29. August 2010

Starke Worte vom Linzer Bürgermeister, Franz Dobusch, finden sich in einem Interview in einem Regionalblättchen (Rundschau Nr.34 26.8.2010).
Er sagt unter anderem: “Ich bin kein Freund von Videoüberwachung. Ich lebe nach dem Spruch ‘Stadtluft macht frei’.”
Und weiter, dass man in einer Stadt offener, differenzierter leben und sich selbst verwirklichen könne.
Auch zu dem Verbot für Jugendliche, auf Grünflächen zu liegen, während man sich im Schanigarten legal zusaufen könne, fand er markige Kommentare.

Ich bin positiv überrascht von unserem Bürgermeister, der in den letzten Jahren nicht so den Eindruck gemacht hat, als ob er gegen die blaue Hasswelle viel (Rotes) einzuwenden gehabt hätte. Weiter so. Und weiter mit der Freiheit.

Anna Spatzenegger: Fitches – das geheimnisvolle Internat

14. März 2010

Eine noch sehr junge Autorin schreibt in ihren ersten Teenagerjahren ein Buch.
Interessant, mitreißend, phantasievoll.
Die Thematik scheint dem Bestseller Harry Potter nachempfunden, ist aber dann doch sehr eigenständig interpretiert. Letzten Endes halten sich die Ähnlichkeiten in engen Grenzen.
Denn Anna S. bringt die Geschichte voll und ganz aus der Sicht ihrer Protagonistin, einem Mädchen.

Nach einer noch etwas verhaltenen Einleitung, die aber schon voller Vorahnungen steckt, stürzt die Heldin bald kopfüber in die gefährlichsten Abenteuer, noch bevor sie richtig in der Zauberschule angekommen ist. Doch auch, nachdem die ersten tragischen Ereignisse überstanden sind, kommt sie nicht zur Ruhe, sondern gerät gleich in die nächsten Schwierigkeiten. Dabei kommen aber auch die Lebensfreude, ihre Leidenschaft Pferde und Reiten nicht zu kurz, Mädchenfreundschaften sind ein wichtiges Thema, und die Rolle der eigenen Herkunft.

Sehr gut gelungen auch die Balance zwischen Andeutungen und Geheimnissen, so dass die Leserin häufig ahnt, wie es weitergehen wird, aber doch immer wieder überrascht wird.
Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, denn aus der Hand legen konnte ich es nicht. Dafür war es zu spannend.
Ob es wohl eine Fortsetzung geben wird? Wünschen wir es uns!
Eine Inhaltsangabe findet sich auf der Verlagsseite.

Anna Spatzenegger: “Fitches – das geheimnisvolle Internat” 2010, Papierfresserchens MTM-Verlag, Bodolz

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Ich konnte die Autorin zu einem Interview bekommen.

1. Wie alt warst du, wie du mit dem Buch begonnen hast?
Anna: Ich war 11 Jahre alt.
2. Wie lange hast du an dem Buch geschrieben (ohne Überarbeitung)?
Anna: Na ja, bei mir vermischt sich die Überarbeitung und das Schreiben ein wenig. Ich habe von 11 bis 12 Jahren das “Grundgerüst” geschrieben – war damals dann 100 Seiten lang. Mit 14 habe ich dann noch einmal 1 Jahr lang geschrieben + überarbeitet, d.h. es sind nochmal über 100 Seiten neue Handlung dazugekommen.
3. Wie lange hat es gedauert von der Abgabe des Manuskriptes bis zum Erscheinungsdatum?
Anna: Etwa ein halbes Jahr.
4. Hast du von Anfang an einen Plan gehabt, wie die Geschichte verläuft, oder ist das erst beim Schreiben entstanden?
Anna: Nein, ich hab mich vom Schreiben leiten lassen. Es sind während dem Schreiben immer neue Ideen aufgetaucht, die am Schluss ein Ganzes ergeben haben.
5. Hast du gleichmäßig dahingeschrieben, oder eher in Schreibwutanfällen halbe Nächte durchgemacht und dann wieder Zeiten ganz ohne Schreiben verbracht?
Anna: Einen genauen Plan wann ich schreibe habe ich eigentlich nicht. Ich setze mich zum Computer wann ich Ideen, Lust und Zeit habe. Aber auf einmal so viel nächtelang nur noch schreiben geht bei mir wegen der Schule auch nicht.
6. Hat deine Familie Verständnis für deine Schreibarbeit gehabt, oder musstest du dir das erkämpfen?
Anna: Meine Familie hat mich immer unterstützt, egal ob es um unermüdliches Probelesen und Fehlersuchen oder die Verlagssuche und Pressetermine geht.
7. Hast du während der Entstehung des Buches mit deinen Freundinnen darüber detailliert gesprochen, sie probelesen lassen etc. oder lieber alles geheim gehalten?
Anna: Meine Freundinnen haben davon gewusst und ein paar wenige haben das Buch auch vorab gelesen und mir Rückmeldungen gegeben. Ansonsten haben die meisten es erst als gedrucktes Buch zu lesen bekommen.
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Linzer Auge :-(

31. Januar 2010

Nicht nur, dass es sich nicht dreht.
Seit ein paar Wochen sind die meisten der Lampen ausgefallen, die außen vertikal an den Geländerstützen angebracht sind. Im Herbst hat das am frühen Morgen sehr schön ausgesehen, diese grünlich-weißen Lichttupfer im Morgendunst vor der glitzernden, den rötlich-blauen Himmel reflektierenden Donau. Jetzt sieht es einfach ungepflegt aus.
Doch nicht nur das: Jetzt ist auch noch die Leuchtschrift ausgefallen, bzw. hat ihren Text vergessen. Statt dessen läuft sie im Demo-Modus, in dem der Display-Hersteller die ganzen Effekte und Möglichkeiten seiner Laufschriftmodule anpreist. Oberpeinlich! Vor allem, weil es nicht für ein paar Stunden, sondern schon seit vielen Tagen so unbeaufsichtigt seine Reklamenachrichten herzeigen darf.
Irgendwie sieht es so aus, als sei das ganze Projekt aufgegeben und gehöre niemandem mehr.
Schade. Mir hatte die Idee gut gefallen.

Fritz Lehner: Der Schneeflockenforscher

9. Januar 2010

Heute bin ich endlich durch den über 600 Seiten starken Wälzer durch.
Einerseits ein sehr spannendes Buch, andererseits auch ziemlich anstrengend zu lesen. Das liegt an dem eigenartigen Erzählstil des Autors, der auch als Regisseur bekannt ist.
Es wird das Leben eines Türmers beschrieben, also des Wächters auf einem Bergfried, der in Freistadt in Oberösterreich sein Leben verbringt – das meiste davon oben auf dem Turm. Von seiner Zeit als junger Erwachsener bis zu seinem Tod, alles am Anfang des siebzehnten Jahrhunderts.
Das Besondere ist aber die Art, wie das Alles beschrieben wird: Als Bericht aus Erzählersicht, aber es werden nur die Gedanken des Türmers beschrieben, all das, was in seinem Kopf so vorgeht. Die vielen Überlegungen, Gedankengänge, Philosophierereien, und dazwischen eingestreut, oft fast versteckt, die Geschehnisse und Taten um ihn herum, aber nur so, wie er sie wahrnimmt, durch seine Reflektion. Somit wird die Handlung, die durchaus auch wilde Action-Szenen einschließt, sehr indirekt dem Leser vermittelt, was das Lesen zumeist etwas mühsam macht. Gleichzeitig wird die Persönlichkeit des Türmers dadurch dermaßen überdeutlich, dermaßen präsent, dermaßen direkt, dass es fast schmerzt. Als Leser lebt man nun auch auf dem Turm in der engen Stube oder auf dem Umgang, hoch über der Stadt.
Die eigentliche Schneeflockenforschung, die schon der Titel des Buches erwähnt, wird in den ersten Kapiteln breit, fast überausführlich dargelegt, was aber als Grundlage für das Verständnis des Geistes der Hauptperson auch wichtig ist. Später gibt es jeweils andere Schwerpunkte, wie die Trunksucht, die Probleme mit der Liebe, die Eifersucht, der Austausch mit Kepler, der dreißigjährige Krieg, usw. usw., bis hin zur Vorbereitung auf das Sterben. Aber die Schneeflockenforschung bleibt doch der rote Faden durch das Leben des Türmers.

Ich bin von dem Buch sehr beeindruckt. Höchst empfehlenswert.
Nicht nur für Leute, die schon selber von dem Bergfriedumgang auf das hübsche Freistadt heruntergeschaut haben.

Fritz Lehner Der Schneeflockenforscher, 2009, Seifert Verlag, Wien.

Zu Gast bei Stifter – Rudolf Habringer

14. November 2009

Bei der Mittagslesung im Stifterhaus am 12. November im Rahmen von Linz09 las Rudolf Habringer einen längeren Text über “Weihnachten nach Feng Shui” und noch ein paar kleinere Varianten vom Erlkönig von Goethe in verschiedenen Stilen umgesetzt. Letzteres war jedenfalls sehr gelungen.
Bei dem langen Text lachte der zahlreich erschienene Fanclub des Autors oft schon vor der Pointe schallend, was mir den Spaß etwas verdorben hat, ich kam mir vor wie in einer jener billigen Fernsehshows, wo ständig Publikumslachen aus der Konserve eingeblendet wird, damit man weiß, was da lustig sein soll.
Das ganze war eher leichte Kost, so habe ich es empfunden. Auch gut.
Eigentlich hatte ich ja die Autorin Patricia Josefine Marchart erwartet, die auf der Homepage des Stifterhauses angekündigt war (und noch immer ist). Nach der Veranstaltung habe ich gesehen, dass im gedruckten Programm, welches im Schaukasten aufgehängt war, der Tausch von Habringer und Marchart vollzogen war. Schon seltsam, wenn ein Offset-gedrucktes Monatsprogramm aktueller ist als das Gegenstück im Internet…

Zu Gast bei Stifter – Walter Pilar

22. Oktober 2009

Heute las Walter Pilar bei den Mittagslesungen im Stifterhaus (Linz09-Veranstaltung) aus seinen Werken.
Eine Mischung aus Hochsprache und Dialekt, mit eigenen Wortschöpfungen und Sprachspielereien angereichert.
Mir hat vieles gefallen, manches habe ich nicht verstanden, und das teilweise dominierende Thema Bergsteigen ist nun mal nicht meins. Manches war mir auch zu unausgewogen zwischen hochkonzentrierten, tiefgehenden Betrachtungen im einen Satz und wieder einfachen, fast trivialen Beschreibungen von Erlebnissen im nächsten Abschnitt, aber gut, das ist nur mein persönlicher Eindruck. (Die Gipfelbucheinträge waren mir eher peinlich.)
Seine starke Persönlichkeit hat schon was rübergebracht, ich kann mir aber schlecht vorstellen, beim Lesen dieselben Gefühle zu haben, ohne seine stimmgewaltige Präsentation.

Walter Kohl: Wie riecht Leben?

21. Oktober 2009

Heute ist in “Tips”, einer unserer Gratiswochenzeitungen, ein Artikel über Walter Kohl und sein neues Buch “Wie riecht Leben?”.
Ich habe Walter Kohl bei einer zu-Gast-bei-Stifter-Lesung kennengelernt. Genießen konnte ich seine Lesung nicht, wie ich hier berichtet habe. Die letzte Viertelstunde habe ich mich dadurch vor dem Zusammenbruch gerettet, dass ich mir immer eingehämmert habe: Das ist ein berühmter Autor, der liest aus einem Roman, auch wenn es eine Ich-Erzählung ist, das muss nicht autobiographisch sein, das ist alles nur Fiktion, ich hin oder her, ihm ist das nicht selbst passiert…
Und es hat insoweit funktioniert, dass ich nicht vom Sessel gerutscht bin, wenn ich wohl auch zum Schluss nicht mehr ganz bei Bewusstsein war…
In dem Artikel heute kommt es klar raus: Das Buch ist komplett autobiographisch und eher eine Dokumentation als ein Roman.
Au weia!
Und ich fahre nie mehr ohne Helm Rad…

Verfassung für Bürger oder für Schnüffler?

11. Oktober 2009

Warum können Demokratie-Neulinge wie Rumänien und Bulgarien, was die etablierten EU-Staaten nicht können: Eine Verfassung machen, die die Grundrechte ihrer Bürger schützt, anstatt Überwachung ohne Verdacht oder Anlassfall zu ermöglichen? Gute Frage!

Zu Gast bei Stifter – Elisabeth Reichart

8. Oktober 2009

Bei der Mittagslesung Linz09 im Stifterhaus brachte Elisabeth Reichart heute drei Abschnitte aus ihren letzten drei Romanen, die alle mit Essen zu tun hatten. Eine interessante Idee, die präsentierten Teile einer Lesung mit einem roten Faden zu verbinden, zumal es ja nach der Lesung immer eine Suppe als Mittagessen gibt. Und erst recht, weil Stifter das Essen sehr wichtig war.
Mir haben die beiden ersten Teile sehr gefallen, der dritte war eher nicht so toll, weil allzu schwer verständlich ohne das Drumherum, obwohl sie sich bemüht hat, uns durch mehrere eingeschobene Erklärungen den notwendigen Kontext zu vermitteln. Da war ihr wohl der “rote Faden” wichtiger als die Auswahl eines aussagekräftigen Stückes. Bei der Kraft und Tiefe der beiden ersten Ausschnitte leicht zu verschmerzen. Einen Lacherfolg erzielte sie mit ihrem mitgebrachtem Schoßhund, der wie von ihr angekündigt den Applaus durch Bellen verstärkte, nachdem er während der Lesung selbst ganz ruhig geblieben war.

Wie immer habe ich mich vor der Lesung kurz im Internet über die Autorin schlau gemacht. Google zeigte gleich nach einem Wikipedia-Eintrag auf eine Kritik ihres Werkes, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Oh Schreck, ein schlimmer Verriss.
Mit sehr hochgestochenen Argumenten versucht da der Germanist Michael Dobstadt ihre Arbeit zu demontieren.
Da ich, was die hohe Kunst, insbesondere auch in der Hochliteratur, eher ein Laie bin, nahm ich die anspruchsvoll wirkende Darstellung zunächst einfach so hin, und war um so mehr gespannt auf die Lesung.
Als ich mir den Text, insbesondere die Reichart-Zitate, die die literarischen Qualitätsmängel anprangern sollten, aber noch mal genauer durchlas, bemerkte ich, viel Wind um wenig Substanz. Tatsächlich war das ganze Essay in der Art, wie wir es im Gymnasium seinerzeit bei unserem genialen Deutschlehrer gelernt hatten. Aufgabe: gegeben ein Text eines berühmten Autors, schreiben Sie einen Verriss. Oder gegeben ein Artikel aus der Bildzeitung, schreiben Sie eine Analyse, die die besondere Qualität dieses Textes in den Himmel lobt. Kein Problem war das damals für mich und brachte mir manche gute Note ein. Mein Eindruck: da will sich jemand einen Namen als Kritiker oder Germanist verdienen, und dazu schnappt er sich, was er findet und schreibt sein Essay.
Wenn ich an die anderen Verrisse denke, die ich in letzter Zeit gelesen habe (zB über Mosebach, Stelzhammer), kommt mir der Gedanke: Vielleicht ein Zeichen für einen Autor, der es wirklich geschafft hat in die oberen Ränge des Literaturbetriebes…

Sei es drum, die Lesung war super, jedenfalls die ersten zwei Drittel.

Zu Gast bei Stifter – Eva Fischer

28. September 2009

Am 24.9.09 gab Eva Fischer die Mittagslesung im Stifterhaus.
Sympathisch fand ich gleich mal, dass sie sich selbst und ihre Texte ein bisschen vorgestellt hat, zumindest könnte man es eine ausführliche Begrüßung nennen. Das lassen die meisten anderen Autoren einfach weg.
Die Texte waren dann kurze Stücke zwischen Lyrik und Prosa, die überraschende Einblicke gewährten und seltsame Zusammenhänge aufdeckten. In diesem Sinne nannten sie sich Erkenntnisminiaturen, weniger im philosophischen Sinne, denke ich.
Mir haben die Texte gut gefallen, obwohl ich manchen davon öfter (und selber) lesen müsste, um alle Feinheiten mitzukriegen.
Wieder eine interessante Lesung im Stifterhaus!
Schade dass sie so kurz war, trotz der einleitenden Worte der Linz09-Dame und der Autorin selbst war die Lesung sieben Minuten vor zwölf, und somit zu früh, fertig…

Philip Glass: Kepler (Oper)

21. September 2009

Gestern Abend waren wir auf der Premiere der Oper Kepler von Philip Glass.
Ich mag Opern nicht, aber ich liebe die Musik von Philip Glass, also dachte ich mir, probiere ich es mal aus. Mit der Oper.
Ich muss sagen, ich war überwältigt. Ob das Konzert nun wirklich in die Kategorie Oper passt oder nicht, weiß ich nicht. Aber es war von vorne bis hinten, visuell und akustisch, musikalisch und von der Inszenierung rund, packend und stark.
Schon die sich langsam aufrichtende Astronomie-Liege ganz am Anfang erinnerte mich zudem heftig an MYST, und die sich durchziehende Zahl 6 ebenso an Riven (dort war es die 5, mit einer Ausnahme, wo eine 6 wichtig war – hier war die Ausnahme die Zahl der Gryphius-Gedichtteile, nämlich 5 statt 6).
Von der mehrebigen Gliederung der Oper in Akte und Szenen bekam man so direkt nichts mit, die konnte man aber im Programmheft nachlesen. Nur die Überschriften der fünf Gedichtstücke von Gryphius wurden auf der Untertitel-Minileinwand angezeigt. Sonst wurde dort meist der gerade gesungene Text gezeigt, in deutsch, und heftig verkürzt darunter auch in englisch.
Das Bühnenbild fand ich genial, sehr tief und innovativ. Die große Drehscheibe drehte sich sehr langsam, was alleine schon das Thema der Planetenbahnen, der Astronomie etc. dezent und effektiv umgesetzt hat. Dazu die astrale Beleuchtung, die zurückhaltend eingesetzte HighTech, die nie zum Selbstzweck wurde, aber doch ein tragendes Element der Gesamtstimmung war. Lustig die Kostüme der sechs Planeten/Solisten, deren Rock als Projektionsschirm für Licht und Animationen dienten, die aus ihren sechs Podesten herausleuchteten. Die Menschen, zeitweise recht viele, nämlich der ganze Chor, waren dank der Drehbühne ständig in langsamer, fast unmerklicher Bewegung, ich habe das teilweise auch als Sichtbarmachen des fließenden Zeitstroms verstanden, wie auch der Fluss der Musik. Hinter der sehr großen Drehscheibe ging das Bühnenbild noch weit zurück, bis zu einer Projektionsleinwand. Auch diese “Visualisierungen” waren sparsam und passend, niemals aufdringlich oder störend. Eher wurde der Bühnenraum durch sie quasi bis in weiteste Ferne verlängert.
Die Musik war vom allerersten Takt an unverkennbar Philip Glass, und so blieb das auch bis zum Schluss, obwohl schon ein paar sehr neue musikalische Ideen dabei waren. Zuerst war ich ein wenig irritiert, dass häufig in deutscher Sprache gesungen wurde – lag das an der Deutschsprachigkeit des dargestellten Kepler oder an der auftraggebenden Kulturhauptstadt Linz09?
Die Künstler waren sehr gut, so weit ich das beurteilen kann. Mir ist nur gleich in den ersten paar Minuten ein Blasmusiker aufgefallen, der eine Note einen Halbton danebengespielt hat – Pech bei der streng harmonisch durchkomponierten Musik von Glass, wo man solch einen Verspieler genau heraushört, auch wenn man die Musik noch gar nicht kennt. Schräge Töne gibt es da nicht, und trotzdem ist die Musik immer spannend, immer mitreißend, nie langweilig.

Beim langen Applaus kam dann auch der Meister selber, Philip Glass, auf die Bühne. Bravo!

Öffentlicher Raum und Linz

18. September 2009

Wie zB hier berichtet, bekommen die Linzer Bürger jetzt freien Webspace und freie Email-Accounts von der Stadt Linz/Donau. Zumindest mal bis 2011.
Das finde ich gut.
Die Begründung von Gemeinderat Christian Forsterleitner enthält u.a. diese Aussage:
“Jede Stadt stellt öffentlichen Raum wie Grünanlagen und Straßen zur Verfügung, das Gleiche soll auch für öffentlichen Raum im Internet gelten.”
Das finde ich auch gut.
Dass allerdings das Linz09-Projekt “öffentliches Wohnzimmer” auf einer Parkwiese hier im Viertel aufgrund von ständigen Beschwerden lästiger Anrainer keine Fortsetzung finden dürfen soll, über den abgelaufenen Kulturhauptstadtteil-Monat August hinaus, obwohl die Aktion extrem erfolgreich war, sehr gut angenommen wurde und auch keine schlimmen Vorkommnisse bekannt geworden sind (keine Schlägereien, keine Alkoholexzesse etc.),
das finde ich schlecht.
Um nicht zu sagen: beschissen.

Zu Gast bei Stifter – Wilfried Steiner

10. September 2009

Bei den Linz09-Mittagslesungen im Stifterhaus las heute Wilfried Steiner aus seinem neuen Roman, der erst nächstes Jahr herauskommen wird.
Es ging zunächst um eine Trennungsgeschichte. Dem Protagonisten Artur wurde auf einem wenig gelungenen Griechenlandurlaub von seiner Frau nach 15 Jahren Ehe eröffnet, sie wolle ihn verlassen. Die Art, wie Artur hier seine Gedanken dazu erzählt, war tragisch und komisch zugleich. Oder, erfrischend und deprimierend. Letzteres vor allem, weil er selber seine Beziehung zu dieser Frau eher positiv, wenn auch nicht begeisternd, erlebt hatte. Und jetzt steht er vor dem Aus.
In einem späteren Kapitel wird ein Museumsbesuch beschrieben. Artur versucht über seine Trennung zu kommen, indem er sich einer Führung in spanischer Sprache anschließt – gerade weil er da kein Wort versteht. Zweimal erregen Werke seine besondere Aufmerksamkeit und stürzen ihn in einen Strudel starker Gefühle. Beide Male ein Triptychon, von Francis Bacon. Die Bilder werden wunderbar beschrieben, ausführlich, genau, aber ohne etwas wegzunehmen. Während Artur seinen Gedanken zu den Bildern nachhängt, schleicht sich wieder seine Exfrau in sein Bewusstsein…
Soweit diese kurzen Ausschnitte, das Buch scheint sehr interessant zu werden. Schade, dass ich mir den Titel des Romans nicht gemerkt habe.

Lesung und Fest (Einladung)

18. August 2009

am kommenden Samstag, 22.8.09, feiern wir mal wieder ein Ruinenfest, das insgesamt 38. seit wir das alte Haus haben.
Diesmal mit Programm: Im Rahmen von Linz09/Seepferdchen/’Lesung im Wohnzimmer’ werde ich aus meinen erotischen Geschichten lesen.
Herzliche Einladung!
Das Fest beginnt ab 17 Uhr, die Lesung um 19 Uhr.
Die Ruine: Im Tal 9, Urfahr, Linz.

Lesung im Kunstpalast

15. August 2009

Heute habe ich im “Kunstpalast” eine Lesung gegeben. (Projekt Kunstpalast_OnStage von Linz09.)

rm's Kunstpalastlesung

Das Wetter war herrlich, so konnten draußen vor der Bühne mehr Leute zuhören. Zwischen den Texten zeigte ich das Computerspiel Alurwe, das ich mit drei Kindern aus dem Viertel zusammen 1998-99 gemacht hatte. Jetzt schon aus stadthistorischen Gründen interessant.
Ich las den Reisebericht “Das Meer” aus meinem neuen Buch “Mondstrahlrutschen“, zwei Katzenreports, und nach der Pause noch die längere Fortsetzungsgeschichte “Rauch” zu meinem ersten Roman “Der Junge und der Wald der Frauen“. Mir hat es Spaß gemacht, und was ich so gehört habe, dem Publikum auch.
Danke an die Herren Juhann und Jod vom Kunstpalast, die diese witzige Aktion ermöglicht haben, insbesondere auch für ihre liebevolle Betreuung! Ebenso Dank an Silvia, für ihre unermüdliche Motivierungs- und Vorbereitungsarbeit.
Morgen, Sonntag, dann wieder öffentliches Frühstück auf der Wiese, die nach wie vor als Wohnzimmer eingerichtet ist.

OnStage Kunstpalast – Linz09

14. August 2009

Der Kunstpalast, das ist ein kleiner Wohnanhänger mit feudaler Inneneinrichtung – Lüster, Parkettboden, roter Samt – dient nicht nur für die feierliche Übergabe von Kulturhauptstadtteil zu Kulturhauptstadtteil, sondern fährt auch ein eigenes Programm. Dieses Linz09-Projekt “OnStage” der Herren Juhann und Jod will Künstlern, egal ob berühmt oder noch unbekannt, und “Hobbykünstlern” die Möglichkeit geben, aufzutreten und ihre Talente zu zeigen.
Heute und morgen gastiert der Kunstpalast am Steinmetzplatzl in Urfahr, letztes Wochenende stand er am Pfarrplatz mitten in der Stadt.
Außer den im Programm angekündigten Veranstaltungen und Aufführungen, wie zum Beispiel der kleinen, aber sehr feinen Fotoausstellung von Gerda Lehner, die da unter anderem eine hintergründige Fotokollage zur Aufforstung unserer gesunden Wälder mit Handymasten zeigt, war heute auch eine spontan entstandene Aktion zu bestaunen: das Postkastell. Da gab es handgefertigte Postkarten und in Plastik eingenähte, textile Monster zu sehen (auch zum Mitnehmen). Die Fotos von Tschoerda haben es mir schon lange angetan, jetzt also auch als Postkarten zu haben!

Linz09 Lesung Traude Seidelmann

11. August 2009

Am 8. August war im Rahmen von Linz09, Kulturhauptstadtteil Alturfahr/Pöstlingberg, Projekt “Wie kommt ein Seepferdchen an die Donau?”, eine Wohnzimmerlesung in Alturfahr-West.
Wegen des wunderbaren Wetters allerdings nicht im Wohnzimmer, sondern auf der kleinen Terrasse, wo die Zuhörer dicht gedrängt saßen, um der betagten Autorin andächtig zu lauschen.
Traude Seidelmann las aus ihrem Buch “Dies Haus ist mein” über ihre Jugenderinnerungen an die Fahrten zu den Wurzeln ihrer Familie im böhmisch-schlesischen Land. Die Stellen hatte sie sehr sorgfältig ausgewählt, so dass der rote Faden erhalten blieb. Eine interessante Erfahrung.
Anschließend gab es noch ein Gassenfest mit Bewirtung.
Alles zusammen: super.
Am nächsten Morgen dann ein öffentliches Frühstück, auf der im August mit Möbeln, Sitzgruppen, Hängematten etc. wohnlich eingerichteten “Wiese” zwischen Donauuferstraße und Ottensheimerstraße. Alle waren willkommen, integrationsfördernd und migrationsfreundlich. Sogar die Polizeistreife wurde herzlich eingeladen. – Sehr gelungen.

Linz09 – geheimes Robinson-Jubiläum

20. Juli 2009

Gestern nachmittag war am Donauufer beim Steinmetzplatzl ein Event von Linz09 aus der Reihe “Seltsame Jubiläen”. Ambiente und äußere Aufmachung waren vom Feinsten, die Lesung selber – „Fatime und Azem“ von Georg Peyer – dazu fällt mir nichts Positives ein. Den zweiten Teil schenkte ich mir daraufhin.
Eigenartig vor allem die Geheimniskrämerei, aus den offiziellen Kalendern und Ankündigungen war die Performance jedenfalls eher nicht zu erahnen. Immerhin habe ich nach längerem (!) Googeln dann doch wenigstens eine sehr kurze Beschreibung gefunden. Ohne Namen des ausführenden Künstlers. Schämen die sich etwa für ihn?

Zu Gast bei Stifter – Hans Eichhorn

26. Juni 2009

Am 25. Juni las Hans Eichhorn im Stifterhaus aus seinen Werken.
Zuerst eine Viertelstunde aus einer Erzählung. Im Sommer an einem See, wird der Erzähler munter und hängt seinen Gedanken nach. Diese überholen sich, gehen in die Tiefe, bleiben stecken oder werden abgewürgt, in verwirrender Folge. Der Autor las spannend, manchmal fast hektisch, mit großartig modulierter Stimme. Ich war fasziniert, aber es war auch sehr anstrengend, den Gedankensprüngen zu folgen. Eine sehr anspruchsvolle Sprache, ich hätte oft gerne “halt, den Absatz noch einmal” gerufen, aber das geht ja bei einer Lesung nicht.
Den zweiten Teil kündigte Hans Eichhorn als “Gedichte” an. Nun, konventionelle Gedichte waren das eher nicht, moderne Lyrik. Ebenso kompliziert, und beim ersten Hören höchstens im Ansatz zu entschlüsseln.

Anschließend gab es “Attersee-Fischsuppe”, eine wunderbare Köstlichkeit, die der Autor und Berufsfischer da ausgesucht hat. Stark gewürzt, mit viel Fischfiletstückchen und Gemüse. Eine gewisse Ähnlichkeit zu einer Fischsoljanka.
Eine rundum gelungene Veranstaltung! Und wie immer bei dieser Reihe gut besucht.

Wenn auch nur die Hälfte wahr ist, …

24. Juni 2009

Wenn auch nur die Hälfte wahr ist, von dem was hier steht über das Stockholmer Programm, dann Gute Nacht!
Gute Nacht zu Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat.
Hoffen wir es ist nur ein böser Traum!